Medienmitteilung vom 4. Februar 2026
Fortschritt in der Alzheimer-Therapie
Swissmedic erteilt Zulassung für Donanemab
Swissmedic hat den Wirkstoff Donanemab (Handelsname Kisunla) zur Behandlung von Alzheimer im Frühstadium zugelassen. Das Medikament verlangsamt den Krankheitsverlauf, kann die Erkrankung aber weder aufhalten noch heilen. Alzheimer Schweiz und Swiss Memory Clinics begrüssen den Entscheid, betonen jedoch, dass viele Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen weiterhin vor grossen Herausforderungen stehen.
Das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic hat am 04. Februar 2026den Wirkstoff Donanemab zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit zugelassen und den Nutzen des Wirkstoffs höher bewertet als mögliche Nebenwirkungen. Nachdem weltweit bereits seit Jahrzehnten erfolglos an einer medikamentösen Behandlung von Demenzerkrankungen geforscht wird, stellt Donanemab einen bedeutenden Fortschritt in der Therapie der Alzheimer-Krankheit, der häufigsten dieser neurodegenerativen Erkrankungen, dar. Auch wenn der Wirkstoff die Alzheimer-Krankheit weder heilt noch stoppt, sondern lediglich den Krankheitsverlauf in einem frühen Stadium verzögert und auch Nebenwirkungen auftreten können, begrüssen Alzheimer Schweiz und Swiss Memory Clinics den Entscheid von Swissmedic. «Mit Donanemab steht nun in der Schweiz erstmals ein Medikament für die Alzheimer-Krankheit zur Verfügung, das zumindest für einige Betroffene die kognitiven Veränderungen verlangsamt, eine längere Lebensphase mit der Krankheit bei noch guter Lebensqualität ermöglicht und verfrühte Heimeintritte mit entsprechenden Kostenfolgen verzögert», erklärt Daniel Janett, Direktor a.i. von Alzheimer Schweiz.
Neuer Wirkstoff reduziert Eiweissablagerungen im Gehirn
Der von Eli Lilly entwickelte Antikörper Donanemab gehört zu einer neuen Generation von Wirkstoffen, die erstmals an einer gemäss aktuellem Wissensstand möglichen Ursache der Alzheimer-Krankheit ansetzen und die schädlichen Eiweissablagerungen, das sogenannte Beta-Amyloid, verringern. Donanemab kann aber auch schwere Nebenwirkungen wie Gehirnschwellungen oder -blutungen verursachen, was eine sorgfältige Risikoabwägung und ein engmaschiges Monitoring in den ersten Monaten der Therapie erfordert. «Die Zulassungsbedingungen für den in der Schweiz produzierten Antikörper Lecanemab wären erheblich restriktiver ausgefallen, was die Firma Eisai vor Kurzem zum Rückzug des Zulassungsgesuch bewogen hat. Die relativ lange Zeit, die Swissmedic und auch ausländische Behörden mit der Prüfung der Präparate verbracht haben, deutet darauf hin, dass dies keine einfachen Entscheidungen gewesen sind. Dies gibt uns nun die Möglichkeit, gemeinsam
mit den in Frage kommenden Betroffenen zu entscheiden, ob sie gemäss ihrer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung eine solche Therapie in Anspruch nehmen möchten», sagt Dr. med. Rafael Meyer, Präsident Swiss Memory Clinics. Um Wirkung und Risiken von Donanemab besser abschätzen zu können, sei es aber wichtig, dass der Wirkstoff ergänzend zu den bisherigen Studien über einen längeren Zeitraum sorgfältig untersucht werde. Darüber hinaus müsse darauf geachtet werden, dass die dringend notwendigen Ressourcen für die bestehenden Standardbehandlungen, welche allen Betroffenen zugutekommen, nicht knapper werden.
Letzte Details müssen noch geklärt werden
Bevor der Wirkstoff im Rahmen einer krankheitsmodifizierenden Alzheimer-Therapie breit eingesetzt werden können, müssen noch letzte Details geklärt werden. Dazu gehören insbesondere die Aufnahme in die Spezialitätenliste des BAG sowie eine rasche und einheitliche Regelung der Kostenübernahme durch die Krankenversicherer – damit Betroffene die Behandlung nicht grösstenteils aus eigener Tasche finanzieren müssen. Alzheimer Schweiz appelliert an die zuständigen Stellen, diese offenen Punkte rasch zu klären. Nach der bereits sehr langen Wartezeit in der Schweiz ist entscheidend, dass der Zugang zur Therapie nun ohne zusätzliche Verzögerungen sichergestellt wird.
Demenzspezifische Unterstützung bleibt weiterhin entscheidend
Obwohl Donanemab einen wichtigen Fortschritt in der Behandlung der Alzheimer-Krankheit darstellt, wird der Wirkstoff nur einer begrenzten Anzahl von Personen in einem frühen Stadium der Krankheit zur Verfügung stehen. Für die Menschen, die mit Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz leben, und ihre Angehörigen bleibt der Alltag aber weiterhin eine grosse Herausforderung. Für ein gutes Leben mit Demenz ist es entscheidend, dass Symptome früh abgeklärt werden, um überhaupt Zugang zu den verschiedenen Behandlungsmassnahmen inklusive neuer Therapien zu haben. Wichtig bleibt aber auch weiterhin, dass Erkrankte und Angehörige über Unterstützungs- und Entlastungsangebote informiert sind, sich beraten lassen und vor allem die vorhandenen Möglichkeiten auch der nichtmedikamentösen Therapien wirklich nutzen», betont Daniel Janett. Alzheimer Schweiz und ihre 21 kantonalen Alzheimer-Sektionen sind deshalb weiterhin eine wichtige Anlaufstelle für Betroffene. Gemeinsam setzen sich Alzheimer Schweiz und Swiss Memory Clinics für eine qualitativ hochstehende und für alle zugängliche demenzspezifische Versorgung der Betroffenen, für eine wirksame Demenzprävention sowie für die Finanzierung von Betreuungsleistungen ein.
Weitere Informationen:
Weitere Auskünfte:
Alzheimer Schweiz
Birgit Kölliker, Bereichsleiterin Kommunikation & Fundraising
Tel. 058 058 80 45
media@alz.ch
Swiss Memory Clinics
Dr. med. Rafael Meyer, MHA (Unibe), Präsident Swiss Memory Clinics
Tel. 056 461 97 00
info@swissmemoryclinics.ch
Alzheimer Schweiz
Gurtengasse 3
3011 Bern
www.alz.ch
ist ein gemeinnütziger Verein mit rund 10 000 Mitgliedern und über 130 000 Gönnerinnen und Gönnern. Die Organisation ist in jedem Kanton mit einer Sektion vertreten. Seit mehr als 35 Jahren informiert, berät und unterstützt Alzheimer Schweiz kompetent Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und Fachpersonen als nationales Kompetenzzentrum rund um Fragen zu Demenz und mit klarem politischen Engagement.
Swiss Memory Clinics
Kehlhofhöhe 1b
6043 Adligenswil
www.swissmemoryclinics.ch
ist der Verein der spezialisierten interdisziplinären Abklärungsstellen mit Schwerpunkt Demenz und Gedächtnissprechstunden. Ziel ist es, die Diagnose- und Behandlungsqualität bei Demenzerkrankungen schweizweit auf hohem Niveau zu etablieren. Entsprechend dieser Zielsetzung verpflichten sich die Mitglieder Qualitätsstandards einzuhalten. Darüber hinaus fördert der Verein die Informations- und Wissensvermittlung und die Interdisziplinarität.
Demenz
Gesellschaftliche Aufgabe mit steigender Dringlichkeit
In der Schweiz leben Stand September 2025 161’100 Menschen mit Demenz, jährlich kommen mehr als 34’800 Neuerkrankungen hinzu, die im Schnitt ein bis drei Angehörige mitbetreffen. Dabei ist Demenz eine der teuersten Krankheiten der Schweiz mit geschätzten 11,8 Milliarden Franken jährlich. Die darin versteckten Kosten tragen mit rund 5,5 Milliarden Franken die pflegenden Angehörigen. Bis 2050 wird sich die Zahl der Erkrankungen voraussichtlich verdoppeln, was zeigt: Demenz betrifft uns alle.